Freitag, 30. Juni 2017

10 Jahre

Jupp.
Richtig gelesen. 10 Jahre ist es her, dass ich die Pille, nach 14-jähriger Einnahme, in die damals noch reichlich vorhandenen Blumentöpfe gestopft habe... soll guter Dünger sein...habe ich mal gelesen. 10 verdammte Jahre! Als ich damals im Forum "Urbia" unterwegs war, habe ich viel, viiiiel, seeehr viel gelesen - und oft sind mir die Frauen aufgefallen, die nach 5 Jahren Behandlung immer noch weiter machen, sogar nach 7 Jahren und einige sogar noch nach 10 Jahren. Ich war erschrocken. So lange? Soooo lange? Nie im Leben ist das bei mir so. Oder doch? Ich sag`s Euch ganz ehrlich, ich glaube, mir war damals eigentlich schon klar, dass ich keine Kinder bekommen werde und vielleicht auch gar keine will.
Ich habe mich regelrecht reingesteigert. Voller Wahn !! Wahnsinnige Gedanken, NIX anderes mehr im Kopf als alle medizinischen Fachausdrücke und Ideen, wie man denn irgendein Hormon noch puschen könnte damit es endlich klappt. Damit ich endlich auch eine Familie habe. Wie alle anderen. Ja. Wie alle anderen. Aber wollte ich das wirklich für mich? War mir, nur mir ganz persönlich, im innersten, vom tiefsten Herzen wichtig, ein Kind zu bekommen?  Heute beantworte ich diese Frage mit "Nein".
Wenn ich zurückblicke, denke ich an meinen Mann in dieser Zeit. Ich wollte IHM ein Kind schenken (das gehört sich doch so...), ihm und seiner Mutter (leider habe ich seinen Vater nicht mehr kennengelernt), meiner Familie, meinen Freunden - es allen Recht machen, ganz normal Kinder zu bekommen, um dazuzugehören. Ich hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Sehe ich heute Fotos von mir, aus dieser Zeit - graut es mir ! Null Selbstbewusstsein - NUR den Kinderwunsch und die Behandlungen im Sinn - nur Druck von Außen (gefühlter Druck und manchmal echter). In dieser Kinderwunschphase - obwohl das wirklich viel zu niedlich klingt. Es ist die Kinderwunschhöllenphase - bin ich zu einer Art Lebensberaterin gegangen, dies hatte mehrere Gründe, aber eben halt auch der Kinderwunsch... bei einem Gespräch fragte sie mich, ob ich mir denn auch wirklich vom ganzen Herzen ein Kind wünsche... Ich konnte diese Frage nicht mit 10 beantworten.
Sie erzählte mir, dass sie und ihr neuer Partner damals auch unbedingt noch ein Kind zusammen haben wollten und haben alles mögliche probiert - bis sie auch schwanger wurde. Heute sagt sie, würde sie nicht mehr alles machen, dass es klappt. Sondern einfach irgendwann sagen, ES SOLL SO SEIN. Ich lass jetzt los.
Diese Gespräche taten mir gut. Ich konnte ehrlich sein.
Mein Mann hat übrigens bei einem Gespräch, bei der echt lieben Frau aus der Akupunkturzeit, die Frage nach dem Kinderwunsch auf einer Skala von 1-10 mit einer 8 beantwortet. Ich war voll sauer....und unehrlich. Ich habe eine 10 angekreuzt.  
Sicherlich wären wir froh und dankbar und voller Liebe für unser Kind gewesen. Mit Sicherheit. Das will ich nicht abstreiten. Lustige Gedanken machen wir uns heute noch. Es ist aber nicht mehr wichtig. Es bestimmt seit 2015 nicht mehr unser Leben. Die letzte, inzwischen 5., künstliche Befruchtung war im Okt. 2011 - der einzige Transfer - HCG bei 5. Vorbei.
Die anschliessenden 4 Jahre habe ich mich ja doch noch sehr mit dem Thema beschäftigt - ich habe lange noch diesen Blog geschrieben. Heute frage ich mich - warum? Vielleicht war es eine Art Selbstheilungsprozess.
...und nach 2015? Nachdem ich mich zurückgezogen habe? 
Mir geht es sehr gut. Zumindest was das Thema Kinder angeht. Unser Kater Bolle wurde im Okt. 2016 vor unserer Haustür überfahren. Ich habe ihn morgens gefunden als ich zur Arbeit wollte. Das war so hart für mich und meinen Mann, dass wir uns 1 Woche haben krankschreiben lassen. Es ging nicht anders. Bolle war unser ANKER - unser Halt - unser Kind (?)...unser kleiner, verrückter Straßenkater. Was aber dann mit uns passierte war sehr befreiend - wir haben über die ganze Kindersache gesprochen, ich war endlich offen für meine wahren Gefühle, mein Mann hat über den Verlust seines Vaters gesprochen, wir haben in dieser Trauerwoche um unseren Kater zig Dinge verdaut, die bis an die Oberkante gestaut waren oder ins tiefste, innerste verborgen war.

Ich habe meinen Job noch..der Job macht mich glücklich. Ich habe super liebe Kollegen, es ist lustig, jeder Tag bringt Spaß und gute Laune (klar gibt es Ausnahmetage) - aber am Ende ist es toll dort.
Wir durchleben immer noch Umstrukturierungen, gerade jetzt ist die Phase eines Verkaufs am Laufen, sprich spätestens Ende 2018 melde ich mich am Empfang mit einem neuen Firmennamen. Ich sehe es positiv, manchmal, vielleicht sogar öfter, sind Veränderungen gut. 

Uns geht es gut. Wir leben unser Leben sehr intensiv - ohne Kinder. Ich vermisse nichts. Auch nicht, wenn ich die anderen Mütter, die alten Freundinnen mit ihren Kindern sehe - es geht mir gut dabei. Oft hören wir, dass der Urlaub ja ganz toll war, noch toller wäre ohne Kinder... Jaaa, ich weiss, dass sagt man als Eltern wohl mal. Wir hören trotzdem oft solche Dinge und sehen es auch - das macht es teilweise, in emotionalen Gedanken aus der Vergangenheit, leichter damit umzugehen.

Naja und wir haben Familienzuwachs bekommen... zwei Kater sind im Dezember 2016 bei uns eingezogen - zwei Babys aus dem Tierheim. Eigentlich wollten wir nur einen, damit Maxima (Mutter von Bolle) nicht so alleine ist. Am Ende wurden es zwei. Zwei unzertrennlich beste Freunde.
Das war eine gute Entscheidung. Die beiden Brothers :-) lieben sich heiss und innig und die gute, alte Maxima hat nicht so einen Stress.
Darf ich vorstellen: Boje, der wilde (schwarz-weiss-hat nur ein Auge) und Bootsmann, der Schmusekater.








Inzwischen sind sie natürlich tüchtig gewachsen und mittlerweile Freigänger mit Helikopter - Mutter an den Hacken. :-)

Wir genießen unser Leben . Es ist schön, so wie es ist. Ich vermisse nichts. Ich bin nicht mehr traurig, wenn ich andere Babys sehe, wenn ich meine Nichte sehe, die ihr kleines Mädchen bekommen hat, ich kann mich aufrichtig freuen! Inzwischen - das ist klar. Trotz, dass mein Kinderwunsch bei keiner 10 war, habe ich sehr gelitten, vielleicht aus anderen Gründen-schön war die Zeit definitiv nicht und ich bin froh, dass wir im Jahr 2012 aufgehört haben mit künstlicher Befruchtung. Ich war noch nicht alt, ich war erst 35 Jahre. Es war aber vorbei. Es war einfach vorbei. Wir wollten nicht mehr. Meine Wechseljahre wurden übrigens schnell bestätigt. Mit 38 habe ich ein angefangen ein Hormonersatzpräparat zu nehmen, was verhindern soll, dass ich eine Buckel bekomme, oder das mir die Haare ausfallen, oder dass ich nicht mehr auszuhalten bin, oder dass ich nachts schwitze wie blöd. Mein AMH Wert war mit Anfang 30 schon nur noch bei 0,76 - da war es eigentlich schon zu spät...) Mit Femoston geht es mir gut. Ich nehme es niedrig dosiert, habe meine Tage noch (im Schnitt 35 Tage Zyklus) und abundan auch einen natürlichen Eisprung. Inzwischen ist es mir lieber, nicht schwanger zu werden! Nicht mit 40 - nicht mehr in diesem Leben. Einfach NEIN. Es ist schön, keinen Druck mehr beim Eisprung zu spüren, keinen Druck mehr - jetzt - jetzt musst Du ran, an den Mann... ohne ist es viel schöner.

Ich kann Euch nur einen Tipp geben.
Verliert Euch nicht.